Presseberichte
WZ 28.10.2008
Fair einkaufen in netter Atmosphäre
Rath - An der Westfalenstraße eröffnet die Renatec einen neuen Laden.
von Anne Wolf
Die ersten Neugierigen drücken sich die Nase an der Schaufensterscheibe platt. Es wirkt ja auch so nett und einladend, das neue faire Kaufhaus der Renatec an der Westfalenstraße 40. Nicht wie eine Kleiderkammer, in die man nur im Notfall einen Fuß setzt. Die Wände sind rot gestrichen, der Fußboden mit Holz verkleidet, die Kleiderständer auf Hochglanz poliert. Alles ist übersichtlich sortiert: dort die Markenjeans für vier Euro das Stück, da die Haushaltsgeräte – Wasserkocher, Schneebesen, Salatschlüsseln.
Mit der Faircard gibt es für Bedürftige auf alle Waren Prozente
Seit acht Jahren gibt es die Fairhaus-Läden der Renatec, in denen Bedürftige Gebrauchtes günstig erstehen können. Das Haus in Rath ist das erste im Düsseldorfer Norden. „Wir gehen gezielt dorthin, wo Menschen leben, die nicht viel Geld haben“, beschreibt Geschäftsführer Frank Gottwald das Konzept. Bedürftige können bei der Renatec die Faircard beantragen, für sie wird die Ware damit um 30 Prozent günstiger – immerhin schon 23 Karten hat die Renatec in den letzten drei Tagen an der Westfalenstraße ausgegeben. Doch auch wer nicht darauf angewiesen ist, ist im Laden gern gesehen. „Durch die Einnahmen finanzieren wir uns“, berichtet Gottwald, Die Kleidungsstücke, die im Kaufhaus angeboten werden, wurden alle gespendet. Aber auch die Miete und die Mitarbeiter wollen bezahlt werden. Sie bereiten die Kleidung auf, waschen und bügeln sie oder testen, ob die Haushaltsgeräte noch in Schuss sind.
Zwei der Stellen sollen künftig mit Schwerbehinderten besetzt werden. So sollen auch die eine Chance bekommen, die es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer haben. Noch laufen die Vorstellungsgespräche, doch Filialleiterin Petra Elling ist zuversichtlich, bald zwei geeignete Mitarbeiter zu finden. Die 49-Jährige stammt aus der Textilbranche, sie wird die neuen Mitarbeiter anleiten. „Es ist toll, von Anfang an dabei gewesen zu sein. Der Laden ist wirklich schön geworden“, sagt sie. Das erste Mal am Tresen stehen wird Elling am kommenden Donnerstag. Da wird um 10 Uhr offiziell eröffnet.
Ein ganz normaler Laden, mit Besonderheiten
Die fünf „Fairhäuser“ in der Stadt haben mittlerweile mehr als 11.000 Kunden.
Pirkko Gohlke
RATH. Die Kleidung hängt sortiert nach Farben, in den Regalen und an den Ständern. In der hinteren Ecke sind Haushaltswaren aufgebaut. Alles wirkt hier hell, freundlich und sauber. Den alten Muff der Kleiderkammern haben moderne gemeinnützige Second-Hand-Läden, wie das neue Fairhaus der Renatec Gesellschaft an der Westfalenstraße 40, längst abgelegt.
„Es soll aussehen wie ein ganz normaler Laden, auch wenn es einige Besonderheiten gibt“, erklärte Frank Gottwald, Geschäftsführer von renatec, gestern bei der Voreröffnung des neuen Ladens. Es ist die fünfte Filiale in Düsseldorf. Für Dezember ist eine weitere geplant. Insgesamt haben die Fairhäuser über 11.000 Kunden in der Stadt.
Das Konzept des Fairhauses besteht aus drei Prinzipien:
1.) Der ökologische Gedanken, dass gebrauchte, aber noch gut erhaltene Dinge nicht einfach im Müll landen.
2.) Die soziale Idee. Die Produkte im Fairhaus sind günstig, so dass arme Familien sie sich leisten können. Zudem gibt es für Besitzer des Düsselpasses, Rentner, Bafög- und Arbeitslosengeld-II-Bezieher 30 Prozent Rabatt. „70 Prozent unserer Waren werden von Bedürftigen gekauft“, erklärt Gottwald. Aber auch Normalverdiener können hier einkaufen. „Das ist sogar gewünscht. Wir wollen ein normaler, professioneller Laden sein“, mein der Geschäftsführer. Alle Kunden erhalten die „Faircard“, eine Kundenkarte, so fällt an der Kasse nicht auf, wer wie viel Rabatt bekommt
3.) Der integrative Aspekt: Die Fairhäuser bieten Langzeitarbeitslosen einen Einstieg in die Berufswelt. „Ein Arbeitsplatz ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr“, weiß Bezirksvorsteher Jürgen Buschhüter. Gerade in Stadtteilen wie Rath sei eine Einrichtung wie das Fairhaus wichtig.
Das Fairhaus eröffnet offiziell am 30. Oktober. Die Öffnungszeiten sind: werktags jeweils von 10 bis um 18 Uhr, samstags von 10 bis um 15 Uhr.
Die „Faircards“ können im Laden beantragt werden.